TBO: Vorteile für Ostermundigen – Nachteile für Bern

1 Platz für Ostermundiger – Gschtungg für Berner!

 

Die Linie 10 zwischen Bern und Ostermundigen sei chronisch überlastet, heisst es. Weshalb? Weil Ostermundigen wächst, stark gewachsen ist und stark weiter wachsen wird. Eine Entlastung der Linie 10 ab Ostermundigen ist nötig, zumindest zu den Haupt-Pendlerzeiten. 

Mit der Umstellung Bus > Tram wird zwar die Kapazität auf der Linie 10 leicht erhöht,  das Problem verschwindet jedoch nicht. Von Ostermundigen Richtung Bern dürfen weiterhin die Ostermundiger sitzen, während die Berner auch im Tram stehen müssen. Von Bern Richtung Ostermundigen gibt es zwischen Bern und Galgenfeld ein Gschtungg, danach können die Ostermundiger aufatmen.

Eine Entlastung bringt der Ausbau der S-Bahn zwischen Bern und Oster-mundigen dank Erweiterung HB Bern und S-Bahn Station Ostermundigen, sowie Ausbau der Geleisekapazitäten. Dazu eine vom Kant. Amt f. Öffentl. Verkehr in Auftrag gegebene Studie (INFRAS, 2015, S. 5): Im Zeithorizont 2025/2030 können duch den S-Bahnausbau im Korridor Ostermundigen Entlastungswirkungen erwartet werden, die im kapazitätskrischen Querschnitt zu einer gedämpften Nachfrage- entwicklung bzw. eine Stagnation auf der Linie 10 führen werden.

Für Bern heisst die perfekte Lösung des Ostermundiger Pendlerproblems: 10er Bus beibehalten, Auswirkung der Entlastung der Linie 10 durch den massiven Ausbau des S-Bahnangebots abwarten. Zu einem späteren Zeitpunkt (2040/2050) kann eine weiter ÖV-Linie (mit dannzumal zeitgemässem Verkehrsmittel) angeboten werden, z.B. eine jener Varianten, die gemäss Gutachten Weidmann (2011, S. 47) „vorzeitig ausgeschlossen“ wurden, weil sie nicht zum Zytglogge führten, sondern zum HB Bern.

 

 

2 Sanierte Strassen in Ostermundigen - Verkehrschaos in Bern

 

Für das 10er Tram finden sich im Gutachten Weidmann keine positiven, aner- kennenden, lobenden Worte, jedoch zahlreiche Vorbehalte und skeptische Bemerkungen. Weidmann verneint, dass das 10er Tram „innovativ“ sei, neue Räume erschliesse und die Wirtschaft fördere. Weidmann betrachtet die Streckenführung entlang der jetzt bestehenden Linie 10 als nicht Tram-geeignet, da sie kaum über Eigentrassee verfügt, wegen zu geringer Haltestellen-Abstände das Tram nicht zügig fahren lasse,  den übrigen Verkehr, insbesondere MIV und Velo, behindere und von diesem selber behindert werde. Stark beeinträchtigt wird in Bern die Achse Freudenbergplatz/Schosshalde - Viktoriaplatz, zusätzlich belastet wird die Korn- hausbrücke, wo mit wiederkehr- enden grossen Sanierungskosten zu rechnen ist, völlig überlastet wird – mit 5 Tramlinien – die Achse Zytglogge-Hirschengraben, was zu häufigen Staus und für Fussgänger in der Innenstadt (inkl. Touristen) und Trambenutzern zu Frust- erlebnissen führt.

Das UNESCO-Welterbe Bern bietet kein friedliches Flaniererlebnis mehr!

Gleichzeitig erlauben die Arbeiten für die Tramgeleise den Ostermundigern ihre lange vernachlässigten Werkleitungen mit wenig eigenem Geld zu sanieren!

 

 

3 Kulturgutverlust und Hitzestau!

 

Schlesslich macht Tram 10 die Vernichtung (Weidmann spricht von „Rodung“!) des alten zu einem grossen Teil geschützten (!) Baubestands an Viktoria- und Ostermundigenstrasse nötig. 

Damit Ostermundigen ein Tram bekommt, soll Bern auf ein wertvolles Kulturgut verzichten! Die Alleen im Nordquartier sind nämlich im ASTRA-Inventar der historischen Verkehrswege eingetragen. Und wie der Bund uns Städtern in Erinnerung ruft und auch Stadtgrün Bern bestätigt, sind Bäume, vor allem grosskronige alte Bäume, unverzichtbar im Kampf gegen die Überhitzung der Städte. "Da in den Städten die Hitze deutlich stärker ansteigt als auf dem Land und die Temperaturen in den Nächten weniger stark zurückgehen, schlagen die Klimaexperten auch langfristige, städtebauliche Massnahmen vor. So die Anpflanzung neuer Alleen oder die Schaffung sowie die Vergrösserung offener Wasserflächen, die zur Kühlung beitragen." https://nzzas.nzz.ch/notizen/bund-warnt-vor-toedlichen-hitzewellen-ld.1299176 Grund genug nicht für grüne, sondern für alle Bürger/innen, das ÖV-Projekt Tram Bern-Ostermundigen abzulehnen. 

 

 

4 Grosse Kosten, Opfer und Nachteile für Bern, kleine Kosten für Ostermundigen

 

Ostermundigen bezahlt CHF 28 Mio an das Tram und erhält dafür eine sanierte Strasseninfrastruktur und ein grösseres Platzangebot im ÖV Richtung Bern für seine Pendler.

Bern bezahlt CHF 25 Mio an das Tram und erhält dafür – was?

Auf jeden Fall nicht mehr Platz für die Berner Pendler, denn die Ostermundiger sind in der Überzahl und zuerst im Tram!

Bern opfert überdies Kulturgüter wie die historischen Alleen und die UNESCO geschützte Innenstadt – wofür?

Bern muss Verkehrsprobleme in Kauf nehmen – wofür?

Flüssiges Vorwärtskommen im ÖV wird verunmöglicht – wofür?

Neue Unterhaltskosten an Geleisen, Strassen und Brücken belasten den Berner Gemeindehaushalt  - wofür?

Das Stadtklima (Sommertemeperaturen, Lärm) verschlechtert sich – wofür?

Fussgänger, Velofahrer, Autofahrer werden behindert – wofür?

 

Die Interessen Berns und der Berner/innen müssen gewahrt werden!

 

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