Abstimmung Stadt Bern November 2017

In Kürze:

  • Der Nutzen dieses Projekts wäre zu klein (und käme zu spät, es wäre erst in 10 Jahren in Betrieb);
  • die Opfer und der Schaden, insb. für die Stadt Bern, wären zu gross;
  • Alternativen sind greifbar und plausibel (Plan unten oder ->hier);
  • Ein Nein bedeutet nicht, dass Ostermundigen keine gute ÖV-Verbindungen verdient und bekommt;
  • Ein Nein hingegen beendet ein mangelhaftes Projekt, schafft Raum für einfache Sofortmassnahmen, und erweitert den Denkhorizont für bessere Lösungen.

Bild: Diese gesamte Allee müsste für das Tramprojekt vollständig vernichtet werden.
Die "Verschiebung" oder der "Ersatz" einer Allee wie dieser ist reine Schönfärberei.
Die Fahrbahn würde doppelt so breit wie heute, die Strasse 9m breiter als heute.

Die Argumente in der Stadtberner Abstimmung:

Falschspiel der Behörden

  • 1. Diese frühe Abstimmung ist nur politisch gewollt.
    Es gibt keinen technischen oder sonstigen sachlichen Grund, genau jetzt über genau diese angeblich einzige und erst noch unfertige Lösung abzustimmen.  -> Der Wille der Baudirektorinnen
     
  • 2. Die Behauptung, die Hälfte der Friedhofs-Allee sei krank, ist eine politisch gesteuerte Falschmeldung.
    Mehrere Baumexperten konnten nun diese nie zurückgenommene Behauptung von 2014 als üble Fehlinformation entlarven.
    Immer dann, wenn man bauen will, sind Bäume "krank". 2014 "musste" das offenbar auch der Leiter von Stadtgrün sagen. -> Details und Quellen.
  • 3. Auch die angeblich verschonten 26 Alleebäume an der Viktoriastrasse würden sterben, auch die Sportplatzlinde würde nicht überleben.
    -> wie es ein dritter Baum-Fachmann ausdrückt
     
  • 4. Die städtischen Behörden fechten sogar mit einer irreführenden Fotomontage.
    Mit -> dieser Fake-"Visualisierung" beschönigen sie das Erscheinungsbild einer künftigen Friedhofsallee nach dem Trambau. Sogar in der Abstimmungsbotschaft taucht diese böswillige Täuschung auf; kein heute lebender Erwachsener würde neue Allee-Bäume je so sehen können wie auf dem gefälschten Bild. Das dauert ca. 50 Jahre.
    Alle Bäume im Strassenraum in -> diesem aktuellen Bild müssten für das Tram weg.
     
  • 5. Warum wird die Studie (ZMB) zur -> ÖV-Planung Länggasse und Wyler zurückgehalten?


Sündenfall Alleen

  • 6. Das Opfern von gut 1km Alleen wäre eine historische Sünde und ein städtebauliches Desaster.
    Dies sagt nicht nur der ehemalige Denkmalpfleger Jürg Schweizer (Medienkonferenz vom 24.10.17).
    Die Fachstelle für Historische Verkehrswege beim Bundesamt für Strassen Astra spricht von der "praktisch vollständigen Zerstörung des historischen Verkehrwegs" und fordert ein möglichst breites Kronendach.  -> Hier die Stellungnahme der Bundes-Fachstelle.
    Aber nach der vollständigen Vernichtung der Allee entlang dem Schosshaldenfriedhof könnte nie mehr ein geschlossenes Kronendach entstehen:
    - Die Strasse würde hier über 9m breiter (7m Asphalt, gut 2m Grünstreifen zwischen Fahrbereich und neuem Trottoir.
    - Allein die Fahrbahn würde mehr als doppelt so breit wie heute
    - die neuen Bäume wären kleiner und könnten nie mehr ein Kronendach mehr bilden.
     
  • 7. Auch die Fondation Franz Weber / Helvetia Nostra streicht die historische, ökologische und kulturelle Bedeutung der Alleen hervor. -> Wortlaut.
    Eine Allee kann man nicht "verschieben", genauso wenig wie man das Kulturdenkmal Berner Münster "verschieben" (abreissen und neu bauen) könnte.


Nachteile und Schwierigkeiten verschwiegen

  • 8. Bern hingegen kauft die  -> Katze im Sack und hat nur Nachteile von diesem Projekt.
    Dieses Projekt würde frühesten in 10 Jahren wirken
    Das jetzige Projekt als Überbleibsel des 2014 abgelehnten Gesamtkonzepts wurde nie einzeln geprüft (-> Bemerkung Weidmann).
    Auch vielversprechende Alternativen wie andere Tram-Linienführungen, oder Eilkurse, Doppelgelenk- und Elektrobusse werden totgeschwiegen oder schlechtgeredet (siehe auch -> Mauschelei vom Januar 2017).
     
  • 9. Die Planungsgrundlagen sind überholt, die Fahrzeugtechnik nicht zeitgemäss.  -> Was ist veraltet?
    Zweckmässig wäre eine zusätzliche Entlastungslinie, nicht nur ein Fahrzeugwechsel auf der alten Bus-Linie (-> indirekte Kritik im Gutachten Weidmann).
    Als Entlastung (eben als Zusatz) war schon im alten Projekt ein Buskonzept angedacht, wird aber nicht mehr erwähnt.

    -> Alternativen sind deshalb greifbar und werden sogar dauernd plausibler.
    Ostermundigen verdient sicher eine gute ÖV-Anbindung und bekommt sie sowieso: S-Bahn-Verdichtung und Bahnhofausbau.
     
  • 10. Das Roden und Neuansetzen der Alleebäume wird als "Ersetzen" der Allee schöngefärbt. Aber neue Alleebäume würden sich kaum gleich entfalten können:
    Die Fahrleitungen behindern die Kronenbildung, der Gleis- und Werkleitungsbau schädigt den Wurzelraum. Siehe -> Vorschrift für Freihalteraum im Kronenbereich über Fahrleitung
     
  • 11. Auch für Bern wäre es mit den 25 Millionen nicht gemacht.
    Nicht bezahlt wäre eine Verlegung der Buslinie 12 in Amthaus-/Bundesgasse.
    Nicht bezahlt wäre die sicher nötige zweite Tramachse.
    Nicht bezahlt wären die noch nötigen Projektänderungen und die Bauteuerung bis Baubeginn 2022.
    -> Das "Geldspiel"
     

Technische Mängel

  • 12. Sollte ein Ostermundigertram vielleicht -> im Weissenbühl wenden?
     
  • 13. Das von Befürwortern zitierte Gutachten Weidmann kritisiert den vorzeitigen Ausschluss (und damit die mangelnde Prüfung) der Alternativen (-> Kritik aus Gutachten Weidmann). Auch Linien, die nicht über Zytglogge führen, hätten verkehrstechnisch gutes Potential, sind aber bei den Behörden unbeliebt.
     
  • 14. Woher kommt denn die Grundidee, das Tram durch enge Strassen zu führen? Es war das -> Trauma von Tram Bern West.
     
  • 15. Die kleinste Störung am Zytglogge oder im Nadelöhr des "Rohrs" legt das ganze Netz lahm, Tramchaos.
    Die Mehrbelastung mit langen Tramzügen würde zu einer verstärkten Trennwirkung zwischen oberer und unterer Altstadt für Fussgänger führen. Städtebaulich nicht mehr verträglich.
    Eine zweite Tramachse würde zwingend. Eine solche kostete nochmals weit über 100 Mio, wobei die -> bisherige Version aus der ZMB völlig untauglich ist. Sogar das Gutachten Weidmann sagt hierzu:
    "Summarische Überlegungen zeigen, dass sich eine Vielzahl von Lösungsansätzen
    betrieblicher und baulicher Art eröffnen, wenn gewisse Randbedingungen gelockert werden." (S. 47, -> ganzes Gutachten)

     
  • 16. Und falls sich eine Tramlinie doch als nötig erweisen sollte, dann soll das Netz endlich auf Trams mit beidseitigen Führerständen umgestellt werden. Ganz Europa macht es so, -> die Vorteile von Zweirichtungs-Trams sind eklatant. Netz und System würden flexibler. Deshalb das Projekt stoppen und umplanen!

     

Das Nein macht Schluss mit dem jetzt vorliegenden "Sackgass"-Projekt, nicht aber mit einer guten Lösung für Ostermundigen.
Die Behörden erhalten die Chance, in Ruhe die alten Konzepte zu überdenken, die neusten Erkenntnisse einzubeziehen, andere Lösungen und Techniken intensiver zu prüfen als bisher, und ohne Druck die ÖV-Anbindung von Ostermundigen zu optimieren.

Dieses veraltete, untaugliche und für Bern nachteilige Projekt soll am 26. Nov. 2017 abdanken.
 

Bern verdient Besseres!

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Erläuterung zu den besten denkbaren Alternativrouten:

  • Wenn man die Innenstadt verschonen will, muss ein Tram über die Lorrainebrücke statt Kornhausbrücke fahren, dann weiter über eine der Routen:
    - Viktoriarain
    - Breitenrainstrasse
    - Tellstrasse
    - Winkelriedstrasse - Schermenweg
    Dies bricht auch die Spitzen beim Wylerbus bis Gewerbeschule
  • Wenn man zuumindest die Alleen an Viktoriastrasse und westlicher Ostermundigenstrasse verschonen will, muss ein Tram via Guisanplatz führen. Diese Linie 10 bedient ergänzend zur Linie 9 (weil nötig):
    - die neu zuziehenden 2700 Arbeitsplätze des Bundes im Zeughausareal
    - Events im Raum BEA, Festhalle, Zirkusplatz, Stadion
    - Eisstadion und Postfinance-Turm
    - Industriezone Galgenfeld
  • Wenn man die Innenstadt verschonen und den ganzen Kilometer Alleen vor der Zerstörung bewahren will, muss das Tram über Lorrainebrücke, Guisanplatz und durchs Zent-Areal (viel mehr Arbeitsplätze als beim Friedhof...) zur Waldegg führen. Die Strecke ist nur knapp 10% länger, deckt aber den bereits vorhandenen zusätzlichen Erschliessungsbedarf.
  • Der Bus 10 bleibt erhalten mind. bis Ecke Schosshaldenfriedhof. Er fährt entweder
    - nach Ostermundigen Bahnhof oder Zentrum oder Ostermundigen Süd
    - zum Zentrum Paul Klee
    - und/oder via Schönberg Ost
  • Dieser animierte Plan zeigt wiederholt das Problem und eine mögliche, gute alternative Linienführung,
    Durch Klick auf das Bild kommt man zu weiteren Plänen und ergänzenden Angaben.


Der -> vorherige Plan scheint gewisse Medienschaffende überfordert zu haben, sie haben nur die Variante Wyler-Wankdorf-Schermenweg vorgestellt und ihrerseits dort nach Mängeln gesucht (die natürlich jede Variante hat).

 

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